Die Koptisch-Orthodoxe Kirche in der Welt


Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist eine der ältesten Kirchen der Welt und die größte der christlichen Glaubensgemeinschaften in den arabischen Ländern. Das Wort Kopte geht auf das griechische Wort Αἰγύπτιοι zurück und bezeichnete seit griechisch-römischer Zeit die ägyptischen Einwohner der Hauptstadt Alexandria sowie die Bewohner Ägyptens allgemein. Heute wird der Begriff allein für die ägyptischen Christen verwendet.

Das pharaonische Ägypten war für die Bewohner des Gebietes von Syrien-Palästina im Altertum und der Antike von zentraler Bedeutung. In der Bibel wird Ägypten mehr als 600 Mal erwähnt und ist Mittelpunkt zahlreicher Erzählungen. Das Matthäus-Evangelium berichtet von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, wo das Jesuskind mit seinen Eltern Asyl vor der Verfolgung durch Herodes findet: “Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen” (Matthäus 2, 13 – 15).

Als die Koptisch-Orthodoxe Kirche im 1. Jh. durch den Apostel Markus begründet wurde, war Ägypten eine Provinz des Römischen Reiches. Zur Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian (236-245) erreichten die Christenverfolgungen einen traurigen Höhepunkt – auch in Ägypten, weshalb die Koptische Kirche auch als Kirche der Märtyrer bekannt ist und ihren Kalender auf Diokletians Regierungszeit zurückdatiert.

Die ersten christlichen Klöster entstanden in den ägyptischen Wüsten, daher ist Ägypten die Wiege des Mönchtums. Hier wurde die christliche Spiritualität zunächst von Einsiedlern – wie dem Hl. Antonius – während der Verfolgungen unter den römischen und später arabischen Herrschern bewahrt. Die erste Klostergründung geht auf den Hl. Anba Pachomius zurück. Seine in koptischer Sprache verfassten Klosterregeln wurden später ins Griechische und Lateinische übersetzt. Von Ägypten aus breitete sich das Mönchswesen in die Provinzen des Römischen Reiches aus und begründete damit auch das klösterliche Leben in der weströmischen und abendländischen Welt.

Die alexandrinische Schule Ägyptens hatte erheblichen Einfluss unter den altorientalischen Kirchen und auf die Beschlüsse des Konzils von Ephesos im Jahr 431. Nach den Streitigkeiten beim Konzil von Chalzedon (451) kam es allerdings zum Bruch zwischen der altorientalischen, römischen und byzantinischen Kirche. Die theologischen Meinungsverschiedenheiten verhinderten viele Jahrhunderte lang ökumenische Kontakte zwischen den Glaubensgemeinschaften und konnten erst im letzten Jahrhundert endgültig beseitigt werden. Im Jahr 640 wurde Ägypten von den muslimischen Arabern erobert. War das Zusammenleben von Christen und Muslimen unter den wechselnden arabischen Herrscherdynastien zunächst friedlich, so hatten diejenigen Ägypter, die ihren christlichen Glauben nicht zugunsten des Islam ablegten, im Laufe der Zeit – und bis heute – unter zahlreichen Repressalien zu leiden.

In Ägypten leben heute ca. 11-18 Mio. Kopten, hinzu kommen ca. 2 Mio. Kopten in der Diaspora. Die größten Auslandsgemeinden befinden sich in Australien, Kanada und den USA. Oberhaupt der Koptischen Kirche und damit 118. Patriarch auf dem Stuhl des Hl. Markus ist seit 2012 Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. Sein Amtssitz befindet sich heute in Kairo. Als traditioneller Patriarchensitz dient daneben weiterhin die Markuskathedrale in Alexandria. Als Liturgiesprache wird noch heute das Koptische verwendet, eine Sprache, die direkt von der alten Sprache der Pharaonen abstammt und damit über 5.000 Jahre alt ist. Bis ins 17. Jh. wurde Koptisch teilweise als gesprochene Sprache innerhalb der koptischen Gemeinden verwendet.